Die Geschichte der Einsiedler Wallfahrt

Die Anfänge

Die Wallfahrt hat die Entwicklung der Einsiedler Klostergemeinschaft ganz besonders geprägt. Ihr Anfang verliert sich im Dunkel der Jahrhunderte. Er dürfte aber eng mit der Verbreitung der Legende über die 'göttliche Einweihung’ der Gnadenkapelle, der sogenannten Engelweihe, verbunden sein, die erstmals um die Mitte des 12. Jahrhunderts belegt ist Der erste sichere Beleg für die Wallfahrt selbst stammt aus dem Jahre 1337, in dem ein Geleitbrief des Vorarlberger Ritters Tumb von Neuburg für Einsiedler Pilger ausgestellt wurde. Die Stiftung des Pilgerspitals im Jahre 1353 deutet auf ein Anwachsen der Wallfahrt hin. Die Pilger kamen aus der ganzen Eidgenossenschaft, aber auch aus dem Ausland: so um 1370 von Lübeck, später aus Köln und Flandern. Sehr viele Wallfahrer strömten 1466 anlässlich der sogenannten Grossen Engelweihe herbei.

Die Blütezeit und die geistlichen Schauspiele

Während der Reformationszeit ging die Wallfahrt stark zurück. Der Kampf für den alten Glauben schloss die katholisch gebliebenen Orte eng zusammen, wobei sich Einsiedeln als geistiger und religiöser Mittelpunkt erwies. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts werden die offiziellen Wallfahrten der eidgenössischen katholischen Stände immer zahlreicher. Im Jahre 1600 wurde in Einsiedeln die Rosenkranzbruderschaft eingeführt, die viel für die grossartige Gestaltung der Wallfahrt durch Prozessionen und geistliche Schauspiele unternahm.

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Damit wurde eine alte Tradition wieder aufgenommen, stammen doch die ersten Nachrichten von dramatischen Aufführungen in Einsiedeln bereits aus dem 12. Jahrhundert. Die barocken Schauspiele entwickelten sich aus stummen Szenen bei Prozessionen, wobei vor allem Bilder aus den Türkenkriegen eine grosse Rolle spielten. Ein eigentliches Festspiel findet sich erstmals 1655 für den Nuntius Frederico Borromeo. Der Text wurde zumeist von Patres des Klosters verfasst, während die Aufführung der Schauspiele zu den grossen Sorgen des Präses der Rosenkranzbruderschaft gehörte. Dabei waren manche Stücke stark vom Zeitgeschmack bestimmt oder können nicht als geistliche Darbietungen bezeichnet werden. So war es verständlich, dass 1773, im Zeitalter der Aufklärung, diese Spiele verboten wurden.

Der Niedergang im Zuge der französischen Revolution

Nach 1680 zählte man jährlich mehr als hunderttausend Pilger. In der Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution wurde den Angehörigen vieler Staaten das Wallfahren verboten. 1791 untersagten die Revolutionsbehörden Frankreichs das Pilgern nach Einsiedeln und bedrohten es mit den gleichen Strafen wie die Emigration. Das helvetische Direktorium bestimmte, dass Prozessionen den Bezirk der Kirche nicht verlassen dürften. Der Generalvikar von Konstanz, Ignaz Heinrich von Wessenberg, verordnete, dass alle Bittgänge bis zum Abend wieder an ihren Ausgangspunkt zurückkehren müssten. Beide Erlasse verunmöglichten das Wallfahren.

Erneuter Aufstieg und anhaltender Niedergang

In der Restaurationszeit erholte sich die Einsiedler Wallfahrt rasch. Besonders grosse Standeswallfahrten fanden 1847 vor Ausbruch des Sonderbundskrieges statt. Stark gefördert, aber auch stark verändert wurde die Wallfahrt durch den Bau der Eisenbahnen. Nach grossen Einbrüchen während der beiden Weltkriege aufgrund der ausbleibenden Deutschen und Österreichischen Pilger, nahm die Wallfahrt nach dem zweiten Weltkrieg wieder stark zu. Seit den siebziger Jahren befindet sie sich jedoch in einem stetigen Niedergang. Die grossen Pilgerzüge sind vollkommen verschwunden und haben den Busreisen Platz gemacht. Viele dieser Busreisen bewegen sich in einer schwer überschaubaren Zwischenzone von Wallfahrt und Tourismus.